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title: "„geweltet. Kartographie ohne Rand“"
date: 2026-03-13
last_modified: 2026-08-25T13:00:15+02:00
generated_at: 2026-09-21T16:54:40Z
url: "https://www.berlin.museum/story/geweltet-patricia-vester"
language: "de"
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# „geweltet. Kartographie ohne Rand“

![](https://cdn.berlin.museum/wp-content/uploads/2025/12/Weltkarten_Patricia-Vester-300x300.jpg)

[![](https://cdn.berlin.museum/wp-content/uploads/2026/03/Thumbnail_geweltet-300x139.png)](https://cdn.berlin.museum/wp-content/uploads/2026/08/260722_Noxy_sub_DE_WebsiteVersion_Sub112MB.mp4)

## Patricia Vester über das Projekt:

„In meinem Handlungsansatz verstehe ich mich als Stimme und Komma, um weiteren Perspektiven Ausdruck zu verleihen und Raum zu geben und dem kritisch zu behandelnden musealen ‚Objekt‘ neue Betrachtungsansätze gegenüberzustellen.

Diese Intervention versteht sich nicht als wissenschaftlicher oder akademischer Schlusspunkt, sondern als Gesprächsansatz, als Impuls, für weitere Perspektiven, um Dinge zu hinterfragen, zu prüfen, weiter zu denken, und in den Austausch darüber zu treten.

Es ist eine kritische Intervention, die die Komplexität der Vermittlung kolonialer Kontexte aufdeckt und die dazu einlädt, sich mit kolonialem Kartenmaterial auseinanderzusetzen.

Zugleich spiegelt es die Suche nach respektvollem diskriminierungssensiblem Material für die heutige Zeit, dass bestenfalls von Schüler\*innen für Schüler\*innen bzw. forschend mit ihnen gemeinsam gedacht und gefertigt werden sollte – dekolonial!

Das Kartenmaterial der NS-Zeit wird aktuell leider für undemokratische, verfassungswidrige Zwecke missbraucht, sodass auch Museen nach aktuellen Aushandlungen dazu übergegangen sind, Material wie dieses, mit interaktiven Abdeckungen ‚nicht instagrammable‘ und unbrauchbar für beispielsweise undemokratisch konnotierte Selfies zu machen, denn hier steht die Frage nach Reproduktion und Wortmissbrauch im Raum.

Zugleich stelle ich hier museale Praxis und den Begleittext des Museums und die Leerstellen darin, sowie die Frage nach der/dem\* Verfasser\*in, der/die unbenannt bleibt, zur Diskussion.

Natürlich werden wir von kolonialen Kontexten unangenehm berührt. Doch hier transformiert Kunst den Gestaltungsspielraum, macht Mut Dinge auszusprechen und lädt ein, weiterhin die Zukunft mitzugestalten.

Lassen wir es zu, die Diskussion offen weiterzuführen."

[  Handout der Künstlerin ](https://www.berlin.museum/wp-content/uploads/2026/08/Handout_geweltet_PatriciaVester.pdf)

## geweltet

Wortneuschöpfung der Künstlerin Patricia Vester, Adjektiv; Partizip II von: welten (Neologismus)

Bezeichnet eine Form menschlichen Handelns, durch die „Welt“ aktiv hergestellt, geordnet und verfügbar gemacht wird und wurde. Der Begriff verweist insbesondere auf koloniale und kolonial geprägte Praktiken der Aneignung, Vermessung und Festschreibung von Räumen, Ressourcen und Lebensformen.

Geweltet beschreibt nicht die Welt als solche, sondern die historisch wirksamen Eingriffe in sie: Grenzziehungen, Kartierungen, Landnahmen, Raubrodungen, etc., administrative Klassifikationen und epistemische Ordnungen, durch die Territorien definiert und Menschen von Menschen hierarchisiert wurden. Gemeint ist menschliches Handeln, dass Welt nicht nur beschreibt, sondern normativ strukturiert, aneignet und ökonomisch wie politisch benutzt und nutzbar macht.

Der Begriff markiert die bleibenden materiellen, sozialen und symbolischen Folgen dieser Eingriffe. Eine „geweltete“ Ordnung trägt die Spuren ihrer Setzungen – in Landschaften ebenso wie in Rechtsformen, Wissensbeständen und globalen Ungleichheiten.

(Der Entwurf dieses Begriffs folgt aktuellen semantischen Aushandlungen, menschliches Handeln in Vokabeln hör- und sichtbar zu machen und die Taten mitzusprechen wie beispielsweise in Sklave Versklavter.)

## Ein Objekt, viele Fragen: Zur Schulwandkarte „Deutschlands Kolonien“ (1937) in BERLIN GLOBAL

## von Brenda Spiesbach, Kuratorin BERLIN GLOBAL

Der Themenraum „Krieg“ in BERLIN GLOBAL ist in unterschiedliche Schwerpunkte aufgefächert. Ein Themenfeld ist „Propaganda und Mythos“ und hier fokussieren wir auf den Kolonialrevisionismus: Gemeint sind die politischen Bestrebungen zur Wiedererlangung kolonialer Gebiete nach dem formalen Ende der deutschen Kolonialherrschaft ab 1919.

Der Themenraum „Krieg“ in BERLIN GLOBAL ist in unterschiedliche Schwerpunkte aufgefächert. Ein Themenfeld ist „Propaganda und Mythos“ und hier fokussieren wir auf den Kolonialrevisionismus: Gemeint sind die politischen Bestrebungen zur Wiedererlangung kolonialer Gebiete nach dem formalen Ende der deutschen Kolonialherrschaft ab 1919.

Wir zeigen das auflagenstarke Jugendbuch „Heia Safari“ von Paul von Lettow-Vorbeck, das 1920 erschien und das dem Mythos des treuen Askaris in der Weimarer Republik Vorschub leistete. Die Schulwandkarte „Deutschlands Kolonien“ aus der Zeit des Nationalsozialismus kam im Unterricht in Berliner Klassenzimmern zum Einsatz.

Diese Objektzusammenstellung aus Jugendbuch und dem Lehrmittel Schulwandkarte verdeutlicht die frühe und kontinuierliche Beeinflussung durch Propaganda. Hinzu kommt, dass die Karte graphisch sehr abwechslungsreich und mit vielen Zahlen und mit mutmaßlichen Fakten gestaltet ist. Sodass die Wirkmacht der Propaganda leicht nachvollziehbar ist. Beim genaueren Betrachten nimmt man die aggressiven Forderungen der nationalsozialistischen Expansionspolitik wahr.

Und uns stellen sich Fragen des Zeig- und Zumutbaren:

Wo setzen wir uns Grenzen in der Darstellung von Gewalt und warum? Wie gehen wir generell mit gewaltvollen Sammlungsobjekten um? Und in dem konkreten Fall: Wie können wir diese Propaganda-Karte angemessener präsentieren?

Um einer möglichen Lösung näher zu kommen, entschieden wir uns den Prozess zu öffnen und kamen ins Gespräch mit der Künstlerin Patricia Vester. Ihre rassismus- und kolonialismuskritische Arbeit erweitert unsere Perspektiven auf Museumsobjekte.

Entstanden ist eine visuelle Irritation im Ausstellungsraum. Der Blick auf die Karte ist bewusst verdeckt und nur die Zitate und Forderungen der NS-Politiker sind noch lesbar.

Das hat den Effekt, dass das Objekt klarer als bisher als Propagandamittel lesbar wird.

Ein kurzer Animationsfilm kommentiert, die mit dem Schriftzug „Trigger-Warnung“ verdeckte Karte. Im Film ist die Karte vollständig und in Ausschnitten sichtbar. Sie wird von Noxy, einer fiktiven, jungen Person of Colour, besprochen.

## Du willst mehr über dieses Thema erfahren?

2023 war Josephine Apraku zu Gast bei BERLIN GLOBAL und sprach über deutschen Kolonialismus im Nationalsozialismus (28.06.2023). Ein Video-Mitschnitt der Veranstaltung findest du über den Link in dieser Kachel.

**Josephine Apraku** ist Afrikawissenschaftler\*in und Referent\*in für intersektionale rassismuskritische Bildungsarbeit. Als Lehrbeauftragte\*r hat Josephine Apraku unter anderem an der Alice Salomon Hochschule und der Humboldt-Universität zu Berlin unterrichtet und als Kolumnist\*in für Magazine wie EDITION F und Missy Magazine geschrieben. Im Buch „Kluft und Liebe“ (2022) schreibt Apraku über soziale Ungleichheiten in der Liebe.

[  Video ansehen ](https://www.youtube.com/watch?v=NqukjWhY9YA)

![Eine Gruppe tanzt in der begehbaren Discokugel, sie sind in der Reflektion zu sehen.](https://cdn.berlin.museum/wp-content/uploads/2022/10/BerlinGlobal-392-300x200.jpg)

### BERLIN GLOBAL

### Die Berlin Ausstellung im Humboldt Forum

Auf 4.000 Quadratmetern zeigen wir dir, wie die Stadt und ihre Menschen mit der Welt verbunden sind – gestern, heute und morgen.

[  Lerne uns kennen ](https://www.berlin.museum/ausstellung/berlin-global)