Das Brandenburger Tor
Vom Stadttor zum Symbol
Wer heute durch das Brandenburger Tor geht, bewegt sich durch eines der bekanntesten Bauwerke Deutschlands. In den 300 Jahren seiner Geschichte war es Schauplatz und Zeuge dramatischer Veränderung.
Das Brandenburger Tor steht am Pariser Platz in Berlin-Mitte. Schon im 18. Jahrhundert gab es an gleicher Stelle einen Vorgängerbau. Berlin war damals von einer Zoll- und Akzisemauer umgeben, an deren Durchlässen Waren kontrolliert und Abgaben erhoben wurden. Um 1734 entstand hier das erste Brandenburger Tor. Es war ein vergleichsweise einfaches Stadttor. Seinen Namen bekam es dadurch, dass es an der Straße nach Brandenburg an der Havel stand.
Das heutige Brandenburger Tor wurde zwischen 1788 und 1791 im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. errichtet. Der Architekt Carl Gotthard Langhans orientierte sich an dem repräsentativen Torbau zum heiligen Bezirk der Athener Akropolis. Mit seinen zwölf mächtigen dorischen Säulen, sechs auf jeder Seite, diente das neue Tor vor allem als repräsentativer Eingang in Residenzstadt Berlin. Es sollte Macht ausstrahlen und zugleich den Wunsch nach Frieden ausdrücken.
Den krönenden Abschluss erhielt das Bauwerk 1793 mit der berühmten Quadriga. Die Berliner Bildhauerwerkstatt von Johann Gottfried Schadow schuf einen von vier Pferden gezogenen Wagen. Gesteuert wurde er von der Friedensgöttin Eirene.
Eine besonders dramatische Episode erlebte die Quadriga während der Napoleonischen Kriege. Nachdem der französische Kaiser Napoleon Bonaparte 1806 Berlin besetzt hatte, ließ er die Skulptur als Kriegsbeute nach Paris bringen. Erst nach seinem Sturz kehrte sie 1814 zurück. Nun wurde die Figur neu gedeutet: Aus der Friedensgöttin wurde die Siegesgöttin Victoria. Zusätzlich erhielt sie das Eiserne Kreuz mit dem preußischen Adler. Die symbolische Botschaft war jetzt nicht mehr Frieden, sondern Triumph.
Im Laufe der Geschichte wurde das Brandenburger Tor immer wieder zum Schauplatz politischer Ereignisse. Es erlebte Kaiserreich, Revolution, Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg. Nach 1945 lag es schwer beschädigt an der Grenze zwischen Ost- und West-Berlin. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde das Tor unerreichbar und stand jahrzehntelang im Sperrgebiet.
Als sich am 22. Dezember 1989 das Tor wieder öffnete, wurde es zum Symbol der deutschen Einheit. Heute besuchen Millionen Menschen den Ort jedes Jahr. Das Brandenburger Tor ist damit weit mehr als ein ehemaliges Stadttor: Es erzählt wie kaum ein anderes Bauwerk die wechselvolle Geschichte Berlins und Deutschlands.
Facts
Standort: Pariser Platz, am Ende der Straße „Unter den Linden“.
Baujahr: 1788 bis 1791
Architekt: Carl Gotthard Langhans
Höhe: 26 Meter
Breite: 65,5 Meter
Tiefe: 11 Meter