Provenienzforschung

Die handschriftliche Nummer Rb711 auf der Rückseite dieses Sofas aus der Möbelsammlung liefert Hinweise über dessen Herkunft.
© Stadtmuseum Berlin | Foto: Deborah Pomeranz

Seit 2008 schauen wir genau hin: Woher kommen die Objekte in unseren Sammlungen? Damit kommen wir unserer Pflicht nach, unsere Sammlungen darauf zu prüfen, ob alle Objekte rechtmäßig erworben worden sind.

In einem ersten Schritt haben wir die Sammlung auf „NS-verfolgungsbedingt entzogene Kunst“ untersucht, also auf Kulturgut, das durch nationalsozialistische Verfolgung ans Museum gelangte. Im Fokus standen dabei zuerst die zwischen 1933 und 1945 erworbenen Sammlungsbestände. Danach haben wir die Recherche auf die von 1945 bis 1995 erworbenen Bestände ausgeweitet. Denn gerade in der Nachkriegszeit gelangte in die Sammlung viel „Treibgut“ der Geschichte, dessen Alteigentümer:innen ermittelt werden müssen, unabhängig von NS-Verfolgung.

Bei der systematischen Recherche gemachte „Funde“ haben wir an die Lost-Art-Datenbank gemeldet, um Kontakt zu Erb:innen herzustellen. Mehrere Objekte wurden inzwischen schon restituiert, also an die Erb:innen zurückgegeben oder von ihnen (zurück-)gekauft. Genauso wichtig wie die genaue Herkunft der Objekte sind die Geschichten hinter den Objekten, die bei den Recherchen zutage treten: Familienschicksale, Firmengeschichten oder abenteuerliche Handelswege. Diese Geschichten zeigen die Sammlungsstücke aus einer neuen Perspektive – über ihre kunsthistorische Bedeutung hinaus.

Gefördert wurde der Aufbau der Provenienzforschung am Berlin Museum durch die Arbeitsstelle für Provenienzforschung (heute Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg) und durch das Land Berlin.

Projekte

Forschungsprojekt „Erwerbungen des Märkischen Museums 1945-1990“

Die Stiftung Stadtmuseum Berlin betreibt seit 2023 systematische Provenienzforschung zu allen Sammlungsobjekten, die zwischen Kriegsende 1945 und deutscher Wiedervereinigung 1990 ans Märkische Museum kamen.

Das „Silber-Sonderinventar“ des Märkischen Museums

Sie lagern in einem Metallschrank im Sammlungsdepot des Berlin Museums: knapp 500 Löffel, Kinderklappern und andere Silberstücke aus jüdischem Besitz.

Spurensuche nach „entarteter Kunst“

„Die Blumenfrau“ von Hans Christof Drexel: ein Beitrag aus der Provenienzforschung des Berlin Museums.

Die „Reichsbankmöbel“

Warum überwies das DDR-Finanzministerium in den 1950er Jahren französische Antiquitäten an das Märkische Museum? Eine Spurensuche.

Franz Heckendorf: „Seepavillon“

Ein Beitrag aus der Provenienzforschung über die ungeklärte Objektgeschichte eines Gemäldes

Lovis Corinth: Portrait „Alfred Kerr“

Ausgangspunkt eines Projekts unserer Provenienzforschung war die ungeklärte Herkunft des Gemäldes.

Herkunft: Magistrat

Ab Mai 1945 übergab der Berliner Magistrat Kulturgut an das Märkische Museum. Woher stammte es? Und wem gehörte es?

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