„Chorus. Eine Sound-Installation von Annika Kahrs“
Was passiert, wenn eine Kirche selbst zu klingen beginnt? „Chorus. Eine Sound-Installation von Annika Kahrs“ ist eine raumgreifende Klanginstallation vom 2. Oktober 2026 bis 18. April 2027 in einem der ältesten Gebäude Berlins: der Nikolaikirche.
Annika Kahrs hat eigens für die Nikolaikirche eine raumgreifende künstlerische Arbeit aus Kompositionen, Field Recordings sowie gesprochenen und gesungenen Stimmpartien geschaffen. Ausgehend vom historischen Gebäude setzt die Künstlerin den Ort und seine lange Geschichte mit gegenwärtigen Klängen, Stimmen und Kompositionen in Beziehung.
Die Sound-Installation beginnt jeweils zur vollen Stunde und bewegt sich vom Außenraum ins Innere der Kirche, vom Glockenspiel über den Eingangsbereich und die Orgel, die Kanzel bis zum Chorraum und schließlich ins Mittelschiff. Über sieben unterschiedliche Stationen entfaltet sich das Prinzip der Installation: Ein Chorus entsteht nie aus einer einzelnen, sondern aus vielen Stimmen, die nebeneinander zu hören sind und sich doch zu einem gemeinsamen Klang verbinden.
Kahrs überträgt das Prinzip aus der Kirche heraus auf die Stadt Berlin. Kirche wie Stadt versteht die Künstlerin dabei als Klangkörper, also Räume, die erst durch gemeinschaftliches Handeln entstehen und selbst wieder zum Resonanzraum für neue Stimmen werden.
Die Sounds und Kompositionen greifen historische, räumliche und gesellschaftliche Bezüge des Ortes auf. Dazu gehören Johann Crüger und Paul Gerhardt, die im 17. Jahrhundert an der Nikolaikirche wirkten, ebenso die historische Funktion der Kanzel, die verschiedenen Umbauten, die Zerstörung und der Wiederaufbau der Kirche sowie die Berliner Kurrende (Chorgesang) und die soziale Funktion des gemeinsamen Singens. Gleichzeitig tragen Field Recordings gegenwärtige Klänge in die Nikolaikirche. Die Aufnahmen entstanden in der Sumpf-, Auen- und Moorlandschaft des Spreewalds sowie an unterschiedlichen Orten in Berlin, darunter in Parks, Clubs, Spätis, auf Märkten, bei Demonstrationen, in Bahnhöfen, Schwimmbädern und im Taubenhaus Südkreuz. Stimmen von Menschen, denen Kahrs und ihr Team während der Aufnahmen begegneten, formen dabei einen losen Chor der Stadt. Die einzelnen Teile der Installation gehen sehr unterschiedlich mit diesen Bezügen um, teils spielerisch und konkret, teils abstrakt. Statt die Geschichte des Ortes nachzuerzählen, öffnet Kahrs einen komplexen Denk und Bezugsraum, in dem historische Spuren, gegenwärtige Klänge und eigenständige musikalische Kompositionen aufeinandertreffen. Die einzelnen Teile können dabei für sich stehen und beziehen sich zugleich aufeinander.
Über die Künstlerin
Annika Kahrs (geb. 1984) lebt und arbeitet in Berlin. Im Zentrum ihrer Performances, Videos und Sound-Installationen stehen Funktionen von Musik, ihre kommunikative Rolle und ihre formalen Eigenschaften. Häufig arbeitet Kahrs dabei disziplinübergreifend und beschäftigt sich mit der Frage, wie Klang soziale, politische und ökonomische Zusammenhänge prägt.
Ihre Arbeiten waren international in Ausstellungen und Biennalen zu sehen, darunter im Hamburger Bahnhof in Berlin, im Nationalen Museum für Zeitgenössische Kunst Athen, beim Oktober-Salon in Belgrad, bei der Biennale für zeitgenössische Kunst in Lyon sowie in Los Angeles und Tasmanien. Zu ihren aktuellen Ausstellungen zählen das Kunsthaus Baselland, die Biennale Son in Sion, das Moderna Museet Malmö und die Manifesta Ruhr.
Für ihre Arbeit erhielt Kahrs zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. Sie war zudem bei verschiedenen Residenzprogrammen zu Gast, unter anderem in Tokio, Rom und Los Angeles.
Impressum
Sound-Installation: Annika Kahrs mit Kompositionen von Louis d’Heudières
Kuratorin: Suy Lan Hopmann mit Unterstützung von Felix Eickelmann
Abmischung, Sound Design & Musikproduktion: Ariel Schlichter
Medienkunsttechnik: ephemer.art / Technische Leitung: Daniel Schulz, Mitarbeit: Robert Rehnig
Künstlerische Produktionsleitung: Rosanna Graf
Musiker:innen: Berliner Mädchenchor (Leitung: Patrizia von Palubitzki), Nina Guo, Louis d’Heudières, Alexander Moosbrugger, Weston Olencki, Fynn & Miko Rosenwinkel, Taubenhaus Südkreuz, die Stadt Berlin
Außenaufnahmen (Field Recordings): Rosanna Graf, Annika Kahrs, Ozan Maral, Levente Pavelka
Ausstellungsdesign: Oeken Schwindling
Grafikdesign Begleitheft: CAL Office (Laurens Bauer und Casper Reuss)
Live-Gäste
Die Sound-Installation wird am 1. Oktober 2026 und an drei weiteren Terminen von Berliner Musiker:innen und Produzent:innen live aktiviert. Das Programm haben Annika Kahrs und der in Berlin lebende Promoter und DJ Ozan Maral gemeinsam kuratiert.
Programm
Von Oktober 2026 bis April 2027 ergänzt ein Konzert-Programm die Installation, kuratiert von Beate Tast-Kasper vom Berlin Museum. Während der Live-Programme und Veranstaltungen ist „Chorus“ nicht zu hören. Alle Informationen sind im Programm zu finden.
Vinyl-LP
Begleitend zur Ausstellung erscheint 2027 eine Vinyl-LP in der Reihe „n.b.k. Records“, produziert vom Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) und Ediciones Inauditas.
Chorus. Eine Sound-Installation von Annika Kahrs
Laufzeit: 02.10.2026 bis 18.04.2027
Ort: Berlin Museum: Nikolaikirche, Nikolaikirchplatz, 10178 Berlin
Web: www.berlin.museum/ausstellung/chorus
Eine Ausstellung in Kooperation mit
Ein Vinyl-Projekt gemeinsam mit
Über das Berlin Museum
Das Berlin Museum ist der Markenname der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Das Berlin Museum gehört zu den größten stadtgeschichtlichen Museen Europas. Seine Sammlung umfasst rund 4,5 Millionen Objekte und Dokumente, die schrittweise digital zugänglich gemacht und in Ausstellungen präsentiert werden.
Die Standorte des Berlin Museums sind das Ephraim-Palais, das Knoblauchhaus und die Nikolaikirche im Nikolaiviertel. Außerdem das Museumsdorf Düppel in Steglitz-Zehlendorf, BERLIN GLOBAL im Humboldt Forum sowie das Atelier Jeanne Mammen am Kurfürstendamm. Das Märkische Museum am Köllnischen Park ist derzeit wegen umfangreicher Erneuerungsarbeiten geschlossen. Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Marinehaus entsteht hier ein neuer Kulturstandort für alle Berliner:innen.
Zur Stiftung Stadtmuseum Berlin gehören zudem unselbständige Stiftungen wie das Archiv der sozialen Künstlerförderung und das Projekt Lern- und Erinnerungsort Kolonialismus.